Technology Reviews
»Der Atom-Staat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit.« (1977) – Robert Jungk reread in 2011 as a Cassandra-Cry of the Fukushima-DBA

«The Nuclear State. From technical progress to inhumanity» by Robert Jungk was publicized in late 1977 (2nd edition). I was caused to refurbish and photograph it on my windowsill on the 15th of March 2011 after I had been shocked at noon of the 14th March 2011 by a TV-screen disposed in a consumer electronics’ shop that allegedly showed a hydrogen-explosion (11:01 MEZ) of the MOX-fuelled Reactor in Fukushima. The unit had the cipher 3 painted on the wall before that detonation.
PS: The fill-in flashed paperback I have purchased in 1978 when I saw Robert Jungk on a promotion-tour for his new book in a pub in Braunschweig – back then I was a physics student there – is lying upon my windowsill in the Wuhletal on 15th March 2011.
EXCERPT from »Der Atom-Staat«:
► 5. Kapitel: Die »Weiterverbreiter«. 6. Absatz. Seiten: 149-152 ◄
Besondere Erregung löste Bonns Festhalten am Projekt des »Schnellen Brüters« (engl.: «breeder reactor») in England und in USA aus. Großbritanniens Königliche Komission – von der Regierung eingesetzt, um über »Kernkraft und Umwelt« nachzudenken – war 1976 unter Leitung des bekannten Physikers Brian Flowers zu dem Urteil gelangt, daß der geplante Bau des geplanten Brüter-Prototyps CFR 1 ein »hochbedeutsamer erster Schritt wäre, der uns mit Befürchtungen erfüllt«. Daraufhin war das Projekt verschoben worden. Auf der anderen Seite des Atlantiks hatte Präsident Carter auf Grund einer ausführlichen Studie des MITRE-Instituts die Einstellung weiterer staatlicher Hilfen sowohl für den »Schnellen Brüter« in Clinch River wie für die Wiederaufarbeitungsanlage in Barnwell empfohlen. Erregt warnte er die Welt vor den friedensbedrohenden Gefahren, die durch den Export solcher Nukleartechniken entstehen könnten.
Trotz all dieser Bedenken hat sich die deutsche Regierung von ihrer »Brüter«-Politik nicht abbringen lassen.Gemeinsam mit den Franzosen, deren »Surgenerateur«-Entwicklung laut Vertrag vom 5. Juli 1977 über viele Jahre mit Milliarden Mark unterstützt werden soll, hat sie beschlossen, den Amerikanern eine »europäische Herausforderung« entgegenzustellen. Das konservative französische Nachrichtenmagazin Le Point interpretierte das als gemeinsames Streben der beiden kontinentaleuropäischen Partner (sonst allerdings scharfe Konkurrenten auf dem Atommarkt) nach einer künftigen technologischen Führungsposition in der Welt.
Erinnert dieses Machtstreben nicht an die gefährliche deutsche Expansionspolitik früherer Zeiten? In den dreißiger Jahren wurde das deutsche Volk mit dem Slogan »Volk ohne Raum« für solches Vorgehen gewonnen. Heute macht man ihm Angst, es werde bald ein »Volk ohne Strom« sein. Damals hieß die Parole »Deutschland über alles«. Heute lautet sie »Plutonium über alles«.
Als in der zweiten Oktoberhälfte 1977 vierzig Staaten ihre Vertreter nach Washington schickten, um wieder einmal über dringend notwendige Maßnahmen gegen die Weiterverbreitung zu beraten, appellierte Präsident Carter abermals an die verschiedenen Teilnehmerstaaten, auf die Entwicklung von »Schnellen Brütern« und von Wiederaufarbeitungsanlagen zu verzichten. Er bot ihnen statt dessen die sichere Belieferung mit nuklearen Brennstoffen durch eine international kontrollierte Zentrale, eine Art »Uran-Bank«, an. Auch sollten sie ihre radioaktiven Abbrände zur Entsorgung an die USA loswerden können, statt sie wiederaufarbeiten zu lassen.
Die Bundesrepublik schwang sich auch bei dieser Gelegenheit gegen den vorsichtigen Carter zum Wortführer all derer auf, die keine Einschränkungen für die »Schnellen Brüter« wollen. Zufrieden schrieb die große deutsche Tageszeitung Die Welt (am 24. Oktober 1977):
»Die Nuklearkonferenz verlief ganz im Sinne der Bundesrepublik. In Washington sprachen sich alle vierzig Teilnehmerländer dafür aus, ihre Optionen in der Nuklearpolitik offenzuhalten. Bis zur Fertigstellung der auf dem Londoner Wirtschaftsgipfel beschlossenen Evaluierungsstudie in etwa zwei Jahren tritt auch keine Pause in der Weiterentwicklung der Plutonium-Technologie ein.«
Keine Beteuerungen Bonns, daß man seine hier wirtschaftlich zu begreifende Exportpolitik »falsch verstehe«, keine Verketzerung von Kritikern und kein Dementi werden die öffentliche Meinung des Auslandes von der Harmlosigkeit dieser deutschen Politik überzeugen. Das würde nur ein Moratorium für die Weiterentwicklung des Kernenergieprogramms und der radikale Verzicht auf die Belieferung der Welt mit Produkten deutscher Kerntechnik leisten können. Nur so ließen sich Befürchtungen vermindern, daß eine künftige deutsche Regierung unter dem Einfluß von Strauß das bestehende Kernkraftpotential für militärische Zwecke ausnützen könnte. Im Ausland werden diese Aspekte der deutschen Politik bald viel mehr zur Angst vor den Deutschen und zur Feindschaft gegen sie beitragen, als das Verhalten bei den Affären Kappler und Stammheim. »Aber wenn die Deutschen diesen Weg weitergehen, werden wir ihnen schließlich doch folgen müssen«, sagte mir ein Amerikaner am Rande der Salzburger Atomkonferenz. »Noch versuchen wir, die Plutoniumwelt zu verhindern.«
{Robert Jungk (11.5.1913-14.7.1994). Der Atom-Staat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit. Softcover/Paperback 1977). Vorwort IX-XVIII, 243 Seiten Softcover/Paperback, Copyright 1977 by Kindler Verlag GmbH München. Druck und Buchbinderei: Salzer-Ueberreuter, Wien. Printed in Austria. ISBN 3-463-00704-5.}
Drei von einem unverständigen Georg Ehring aus dem Zusammenhang gerissene und in neue deutsche Rechtschreibung gesetzte Stellen aus der "Der Atom-Staat" (natürlich ohne Seitenangaben) @ Deutschlandfunk am 20.09.2010
Generationenlang andauernde radioaktive Zerfallsvorgänge mit ihren Strahlengefahren für alles Lebendige müssen von da an sorgfältigst und in Permanenz kontrolliert werden. Jahrzehnte-, Jahrhunderte-, Jahrtausendelang. Überschreitet die Zahl zu bewachender Installationen und Entsorgungslager einen bestimmten Punkt, so muss strenge "Überwachung" und "Kontrolle" über einen sehr langen Zeitraum hinweg das politische Klima prägen.
…
Wer den Ungeheuerlichkeiten, die der Eintritt in die Plutoniumzukunft mit sich bringen muss, nur mit kühlem Verstand, ohne Mitgefühl, Furcht und Erregung begegnet, wirkt an ihrer Verharmlosung mit. Es gibt Situationen, in denen die Kraft der Gefühle mithelfen muss, eine Entwicklung zu steuern und das zu verhindern, was nüchterne, aber falsche Berechnung in Gang gebracht hat.
….
Staat und Wirtschaft werden immer mehr einer großen Maschine gleichen, und es kann nicht gestattet werden, dass man ihr Funktionieren stört. Das verlangt der "Sachzwang". Einzelne oder gar Gruppen, die sich widersetzen könnten, werden "gesiebt", "zermalmt", "ausgerottet", "auf den Abfallhaufen der Geschichte geworfen", "als rückständig angeprangert" oder – das Wort stammt von einem Professor der Informationstechnik – "amputiert".
► R E Z E N S I O N E N ◄ (. R E V I E W S .)
Robert Jungk über sein neues Buch der »Der Atom-Staat«: (self-review on the spine)
»Seit meiner Warnung vor einem Atom-Staat werden jetzt endlich auch die möglichen politischen Konsequenzen einer Fortsetzung des Baus von Kernkraftwerken diskutiert. Die Gefährlichkeit der neuen Anlagen zwingt Behörden und Industrie zu einem bisher unbekannten Grad der Absicherung.Schon bis jetzt wurden Grundrechte angetastet und bürgerliche Freiheiten mißachtet. Doch das ist erst der Beginn. Neue Methoden der Überprüfung und Überwachung, die bereits vorbereitet wurden, warten auf ihre Anwendung. Eine neue Tyrannei müßte die fast unvermeidliche Begleiterscheinung einer Hochleistungstechnik sein, deren Risiken dem unvollkommenen Menschen über den Kopf zu wachsen beginnen. Das schrecklichste ist der Alptraum Atomterror. Denn die zu erwartende gewaltige Zunahme des Spaltstoffs Plutonium vergrößert auch die Möglichkeit, daß dieses Material in falsche Hände gerät. Erpressungsaktionen würden möglich: Kleine Gruppen von Verbrechern oder Fanatikern könnten die Bevölkerung ganzer Städte zu Geiseln machen.
Noch ist die Schwelle zum Plutonium-Zeitalter nicht überschritten. Noch ist es möglich auf dem Weg in die totale Anpassung haltzumachen. Der Widerstand vieler einzelner in fast allen Industrieländern zeigt, daß sich die Bürger den ungeheuren Gefährdungen, die auf sie zukommen, nicht länger wort- und tatenlos unterwerfen wollen.
Das Buch hilft schildernd und deutend diese Auseinandersetzung um eine der bedeutsamsten Zukunftsentscheidungen der Menschheit vertiefen. Es bemüht sich um jene Erhellung der gesellschaftlichen Folgen wissenschaftlich-technischen Fortschritts, die von den Politikern bisher vernachlässigt wurden.«
–►Thesen gegen Supertechnik {DER SPIEGEL 53/1977} Klaus Traube über Robert Jungk: Der Atom-Staat
Dr. Klaus Robert Traube, 49, wurde bekannt als Objekt des "Lauschangriff auf Bürger T" (SPIEGEL-Titel 10/1977). Mit rechtswidrigen Abhörpraktiken hatte der Verfassungsschutz — ohne Erfolg — versucht, dem Atom-Manager Verbindungen zur Terroristen-Szene nachzuweisen. Der Verdacht wurde inzwischen widerlegt; Traube, der bis 1976 als Geschäftsführer der Entwicklungsfirma Interatom vor allem für das deutsche Schnellbrüter-Projekt Kalkar verantwortlich war, wurde von Bundesinnenminister Maihofer rehabilitiert. Gegenwärtig arbeitet Traube an einem Buch über die politischen Grenzen der Politik.
Mit der technischen Nutzbarmachung der Kernspaltung wurde der Sprung in eine ganz neue Dimension der Gewalt gewagt. Zuerst richtete sie sich nur gegen militärische Gegner. Heute gefährdet sie die eigenen Bürger. Denn "Atome für den Frieden" unterscheiden sich prinzipiell nicht von "Atomen für den Krieg."
So beginnt Robert Jungks neues Buch, das er in "Angst und Zorn geschrieben" hat: "In Angst um den drohenden Verlust von Freiheit und Menschlichkeit. In Zorn gegen jene, die bereit sind, diese höchsten Güter für Gewinn und Konsum aufzugeben."
Carl Friedrich von Weizsäcker hat kürzlich seine Überlegungen zur Verhütung eines Atomkrieges in der These zusammengefaßt: "Der dritte Weltkrieg ist wahrscheinlich." Ihn zu verhindern, sei ein umfassender Bewußtseinswandel nötig, zu dem ein tiefer Schreck gehöre. Und er schilderte sein Dilemma: "Man meint oft, man mußte die Menschen anbrüllen, damit sie aufwachen. Aber man weiß, daß sie den, der brüllt, für einen Narren halten."
Robert Jungk hat sich eher für das Brüllen entschieden. Wenn er Atomkraftwerke für ähnlich gefährlich hält wie Atombomben, dann hat er recht, sich gegen den vorhersehbaren Einwand zu verwahren, "über diese Problematik müßte ohne Emotionen geschrieben werden". Ohne Emotionen hätte Luther kaum seine Thesen angenagelt. Aber Robert Jungk muß sich fragen lassen, ob er seine im Zorn dargelegte Überzeugung dem Leser, der sich nicht ohnehin für oder gegen Kernenergie festgelegt hat, glaubhaft vermittelt.
Das Buch hebt sich von anderen gegen Kernenergie gerichteten Streitschriften ab durch die Betonung, so der Autor, "der gesellschaftlichen Folgen wissenschaftlich-technischen Fortschritts, die von den Politikern bisher vernachlässigt wurden". Kernpunkt der Warnung vor dem "Atom-Staat", mit der Robert Jungk vor etwa einem Jahr hervortrat, war die Einschränkung der Bürgerrechte als notwendige Folge staatlicher Überwachungsmaßnahmen zur Verhinderung von "Atomterrorismus".
Dieses Thema nimmt jetzt nur bescheidenen Raum ein. Es ist verbreitert hauptsächlich um die Schilderung von Konditionierungen und Repressionen, die Robert Jungk schon als Konsequenz der friedlichen Nutzung der Kernenergie sieht; Konditionierung der Menschen in der Atomindustrie, deren Unzulänglichkeiten die Sicherheit der Atom-Anlagen gefährden könnten, Repressionen gegen die Kritiker in und außerhalb der Atomindustrie.
Weiter geht der Autor den Atomängsten und deren psychologischen Wurzeln nach sowie der Vorstellungswelt und den Motiven der Atomwissenschaftler. Schließlich warnt er vor der Begünstigung der Proliferation von Atomwaffen durch die Ausbreitung der Plutonium erzeugenden Kernkraftwerke.
Das sind, bis auf die Proliferation. Themen, die in der hiesigen öffentlichen Auseinandersetzung um Kernenergie eine untergeordnete Rolle gespielt haben gegenüber den "handfesteren" Fragen der Strahlengefährdung. Ihre zusammenfassende — wenn auch emotionsgeladene — Behandlung sichert dem Buch seinen Rang.
In seinem vorletzten, 1973 erschienenen Buch "Der Jahrtausendmensch" hat Jungk sich einen "conference hopper" genannt, der "beunruhigt in der ganzen Welt herumfährt" und versucht, auf die Zukunft hindeutende "Signale und Tendenzen" ausfindig zu machen. Von dieser journalistischen Methode, von der Vertrautheit mit den Schauplätzen und Akteuren der Technik und Wissenschaft in aller Welt profitiert auch der "Atom-Staat": ein geschicktes Geflecht aus Konferenzberichten, Interviews mit Bekannten und Unbekannten. Dokumenten, Briefen, Hörensagen, auch Anekdotischem.
Das Buch erschließt sich erst so recht im Zusammenhang mit dem "Jahrtausendmensch". Durch den hatte Robert Jungk als erster ein größeres bundesrepublikanisches Publikum bekannt gemacht mit der vorwiegend in den angelsächsischen und einigen Entwicklungsländern seit den sechziger Jahren verbreiteten, grundlegenden Kritik der modernen, hochkonzentrierten Technik.
Diese Kritik, die das Dogma von der Neutralität und Unaufhaltsamkeit technischen Fortschritts angreift und ihn für die spezifischen "sozialen Schäden" unserer Zeit verantwortlich macht, wird noch bis heute in unserer Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Ähnlich wie in der Atomdiskussion steht bei uns in der, ohnehin fast verdrängten, Diskussion um die Grenzen industriellen Wachstums die Erhaltung der Umwelt und der Ressourcen im Vordergrund, allenfalls begleitet von einem Seitenblick auf die schlechten Gewohnheiten der Konsumgesellschaft.
Im "Jahrtausendmensch" machte Jungk aufmerksam auf die grundlegenden Zusammenhänge der Überindustrialisierung und -technisierung mit sozialen Schäden wie kultureller Verfall, psychische Schäden, Arbeitslosigkeit, Degeneration der Demokratie als Folge von Ohnmacht der Politik gegenüber der Technokratie, übermäßige Verwundbarkeit durch ein nationales und internationales Geflecht von Abhängigkeiten, Konditionierung der Menschen, Einschränkung der Bürgerrechte. Und er stellte die aus solcher Analyse der "Krise des Industriesystems" entwickelten Gegenkonzepte vor: eine zwar auf Wissenschaft beruhende, aber im kleinen Maßstab bei mäßiger Arbeitsteilung anwendbare "Sanfte Technik", überschaubar auch durch Dezentralisierung; Abbau der hochkonzentrierten Großindustrie.
Im "Atom-Staat" finden sich fast alle Bestandteile dieser Kritik der Übertechnisierung wieder. Aber sie werden in einer Tour de Force dem verkürzten Sujet, der Atomtechnik, angepaßt. Zwar gibt es Passagen, in denen Robert Jungk größere Zusammenhänge aufzeigt. So stellt er im Ausblick fest, "daß die Atomfrage zum auslösenden Moment einer Auseinandersetzung geworden ist, die über ihren unmittelbaren Anlaß weit hinausweist … Dahinter steht die noch umfassendere Frage, ob die bisherige … Richtung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts für den Menschen noch länger taugen kann".
An anderer Stelle reiht er "Atomterrorismus" ein in einen "ganzen Horrorkatalog von Sabotagemöglichkeiten", die neue Technologien eröffnen. Im allgemeinen aber gehen solche Zwischentöne unter, werden alle Übel direkt oder unterschwellig der Atomtechnik angelastet.
So etwa, wenn vom Leidensweg einer jungen Schweizerin in einer psychiatrischen Klinik die Rede ist, in die sie von der Polizei, wegen "bizarren Verhaltens" im Anschluß an eine Atomdemonstration festgenommen, eingeliefert wird.
* Bildunterschrift: Bei einer Protestkundgebung auf dem Marktplatz in Kalkar.
Zwar ist das einer jener unzähligen Vorgänge in psychiatrischen Kliniken, denen man nicht genug Publizität verschaffen kann, deren Zusammenhang mit der kulturellen Perversion einer übertechnisierten Gesellschaft aufzuzeigen ist, aber ein relevantes Beispiel für gesellschaftliche Folgen speziell der Atomtechnik ist das nicht.
Hinzu kommt eine Fülle schlicht überzogener Wendungen. Etwa im Zusammenhang mit der deutschen Atompolitik: "Damals hieß die Parole Deutschland über alles. Heute lautet sie: Plutonium über alles." Oder: Wer sich den Sachzwängen der Staats- und Wirtschaftsmaschine widersetzt, wird "zermalmt". Zorn hin, Zorn her, der Unterschied zwischen Ausrotten und unduldsamer, auch bedrohlicher Schikane darf nicht verwischt werden.
Wer sein Sach’ vertritt, nimmt sich Polemik heraus, und dem zornigen Autor Robert Jungk, der mit viel Einsicht in den Wissenschaftsbetrieb dem Mythos vom nur der Wahrheit verpflichteten Wissenschaftler zu Leibe nickt, ist gewiß auch zuzugestehen, daß er seine Argumente zurichtet, auch mal Störendes ausläßt. Aber wenn zentrale Gegenargumente ignoriert werden. schürt das den Verdacht auf Argumentationsschwierigkeiten; Beispiel:
Das grundlegende Argument Robert Jungks gegen Kernenergie außerhalb ihrer Perversion zum Zweck Krieg oder Terrorismus, ist ihre "Irreversibilität, eine ganz neue historische Erscheinung". Er beschwört es immer wieder: "Bisher wuchs über alle Schäden, die die Technik verursacht hatte, nach absehbarer Zeit Gras … Das wird nach einer atomaren Katastrophe nicht der Fall sein."
Dieses Argument können die Befürworter der Kernenergie auf vielfache Art entkräften. So machte Wolfgang Stoll kürzlich in der Hamburger "Zeit" darauf aufmerksam, daß nicht nur Nagasaki, sondern auch das Eniwetok-Atoll, wo mehr als zwanzig Atombomben abgeworfen wurden, wieder bewohnbar ist. Und es ist auch nicht Gras gewachsen über die früher durch menschliche Eingriffe geschaffenen Wüsten und Karste, die ehemals fruchtbares Land waren. Der Assuan-Staudamm setzt diese traurige Tradition fort. Und wer wird je unsere Landschaft entbetonisieren, und die täglich anwachsenden vielen Millionen Tonnen fein verteilter oder in Deponien verwahrter chemischer Gifte vernichten?
Robert Jungks frühere Schriften bezeugen seinen umfassenden Überblick über moderne Wissenschaft und Technik und über deren politische Implikationen. Wenn er im "Atom-Staat" so verkürzt, dann wohl in der Erwartung, ein Stopp der Kernkraftwerke sei in absehbarer Zeit erreichbar und würde den von ihm — wie von mir — als verhängnisvoll angesehenen Teufelskreis aus industriellem Wachstum und Übertechnisierung unterbrechen. Beruht diese Erwartung, der viele unter den Kernenergie-Gegnern anhängen, auf einer durchdachten Analyse?
Eines der sieben Kapitel des "Atom-Staates" das schwächste, wie ich meine — beschäftigt sich mit den Dissidenten unter den Kernenergie-Wissenschaftlern und -Ingenieuren und mit den Einschüchterungen, denen sie unterliegen.
Natürlich gibt es Dissidenten, selbstverständlich unterliegen sie Pressionen. offensichtlich werden Publikationen "zensiert", will heißen, sie sind Vorgesetzten zur Durchsicht und Genehmigung vorzulegen. Nur, wo wäre das nicht so in der Industrie?
Das Kapitel könnte den Eindruck vermitteln, als würde ein Großteil der Kernenergie-Wissenschaftler und -Ingenieure nur durch Zensur und Pressionen daran gehindert, die Wahrheit zu sagen. Das wäre eine fundamentale Fehleinschätzung. Die überwältigende Mehrheit ist davon überzeugt, mit Akribie an einer Technik zu arbeiten, die wesentlich mehr Sorgfalt als jede andere Großtechnik auf die Verhinderung von Schäden an Umwelt und Menschen verwendet hat. Bisherige Statistik bescheinigt ihnen diesen relativen Erfolg. Würde man sie fragen, ob die Atomtechnik trotzdem Gefahren birgt, wäre die typische Antwort: Ja, aber weniger als vergleichbare Großtechnik.
Das scheint mir der Drehpunkt. Die Antwort ist nämlich sehr wahrscheinlich richtig, mindestens wenn man die Erhöhung der Proliferationsgefahr ausklammert. Sie wird auch nicht falsch dadurch, daß es in dümmlichen" Werbestil vorgetragene Propaganda für Kernenergie gibt, die das "Ja. sie birgt Gefahren" wegschwatzt oder verniedlicht.
Eine Bevölkerung aber, deren Mehrheit einerseits das fürchterliche Atomkriegsrisiko verdrängt, andererseits die heutige, hochkonzentrierte Industrie und deren Risiken als alternativlos akzeptiert. wird sich nicht mehrheitlich gegen Kernenergie entscheiden, solange sie grundsätzlich vom Zwillingspaar Wachstum und Supertechnik überzeugt ist.
Robert Jungk erkennt selbst: "Die Entscheidung für die Kernenergie war die logische Folge einer Technologiepolitik, die das Wachstum der Produktion über alle anderen menschlichen Interessen stellte." Richtig, innerhalb dieses heute in Ost und West vorherrschenden Bezugssystems ist die Kernenergie logisch.
Eine Zeitlang in diesem Sommer mochte es scheinen, als sei der Widerstand gegen Kernenergie stark genug zur Durchsetzung eines Moratoriums. Doch nur ein Teil der Atom-Gegner war sich bewußt, daß es dabei um mehr geht als um Kernenergie. War es nicht naiv, zu glauben, man könne mit so schwacher Basis das verfestigte, mächtigen Interessen dienliche, in allen Institutionen verwurzelte, durch den noch ungebrochenen Mythos von Wirtschaftswachstum und Supertechnik breit abgestützte Primat der Produktion gleichsam überlisten?
Im Widerstand gegen Kernenergie manifestiert und verengt sich das seit einem Jahrzehnt ständig wachsende Unbehagen an der fortschrittsgläubigen Industriegesellschaft. Erst wenn dieses Unbehagen sich umsetzt in die verbreitete Erkenntnis einer irreversiblen Krise des sich zunehmend aller Kontrolle entziehenden Industrialismus, wenn die Alternativen bekannt und akzeptierbar geworden sind, scheint mir eine grundlegende Umkehr möglich und dann auch ein Stopp der Kernenergie.
Die Antiatom-Bewegung hat viel zum Ingangsetzen dieses Bewußtseinsprozesses getan. Ungeachtet meiner Kritik am einzelnen glaube ich, daß auch "Der Atom-Staat" dazu beitragen wird. Eine Bresche zu schlagen reicht das nicht.
Weitere Emotionalisierung des zu engen Ausschnittes Kernenergie kann zu verhängnisvoller Isolation führen. Es gilt hier, was Adolf Muschg neulich an dieser Stelle über andere, in der Aufbruchsstimmung Ende der sechziger Jahre entstandene Hoffnungen gesagt hat: "Nicht die Hoffnungen sind überholt, sondern die blinde Ungeduld bei ihrer Verfolgung." Auch, und gerade, wenn die Zeiten nicht zum Hoffen einladen.
Sieht Robert Jungk das doch so? Sein Buch schließt mit den Worten: "Letztlich wird das Wasser stärker sein als der Stein." Voilà!
–► FAZ-Rezension von DER ATOM-STAAT erschienen am 8.Februar 1978 {seit 15.März 2011 auch ONLINE bei der FAZ}
—> www.faz.net/s/RubA330E54C3C12410780B68403A11F948B/Doc~EC4…; rel="nofollow">www.faz.net/s/RubA330E54C3C12410780B68403A11F948B/Doc~EC4…
Robert Jungk gehörte zu den frühen und harten Kritikern der Atomkraft. Seine Fundamentalkritik „Atomstaat“ erschien 1977. Unter dem Titel „Wie müssen die Kernkraft-Bürger beschaffen sein?“ erschien am 8. Februar 1978 eine Besprechung in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Von Kurt Rudzinski
15. März 2011 2011-03-15 12:45:00: In den Kernkraftwerken dokumentiere sich das Genie unserer Zeit genauso wie das des Mittelalters in den großen Kathedralen. Wolf Häfele, Prophet der Kernenergie, der diesen Vergleich liebt, setzt die Konstrukteure unserer Atomanlagen dementsprechend den Erbauern der Kathedralen gleich. Für Robert Jungk dagegen sind sie die Wegbereiter der vollständigen Unterwerfung des Menschen unter die Allmacht der Techniker und des Staates. In seinem neuen Buch „Der Atomstaat“ bezieht er kompromißlos Stellung gegen die Verkünder einer alleinseligmachenden und ewiges Wirtschaftswachstum verheißenden Kernenergie. Er hat sein Buch, wie er selber sagt, „in Angst und Zorn" geschrieben. In Angst um den drohenden Verlust der Freiheit und Menschlichkeit, in Zorn gegen jene, die bereit sind, diese höchsten Güter für Gewinn und Konsum aufzugeben“. Wenn er dabei übersteigert, tut er nichts anderes als die Gegenseite, wenn sie die Risiken der Kernenergie bagatellisiert und ihre Beherrschbarkeit überschätzt. Die Einseitigkeiten und Übersteigerungen in Jungks Sicht mindern nicht das Gewicht seines leidenschaftlichen Aufrufs zur Wachsamkeit gegenüber den von der Kernenergie ausgehenden Gefahren.
Es ist nützlich, Jungks Buch zu lesen, weil es mit vielen Realitäten der Atomtechnik und ihrer Entwicklung vertraut macht, über die man sonst wenig erfährt. Das gilt für die Verhältnisse in Wiederaufarbeitungs-Anlagen, wie La Hague in Frankreich, für die Mängel der Rasmussen-Studie über die Sicherheit des Leichtwasserreaktors, für den Schutz von Kernkraftwerken und die Behinderung der freien Information, für die Schwächen im nationalen Kontrollsystem der Nonproliferation der Atomwaffen und vieles mehr.
Wesentliches Merkmal der Kerntechnik sind Sachzwänge. Zwänge gibt es allenthalben in der technischen Zivilisation. Aber in der atomaren Technik sind sie wegen des enormen Gefahrenrisikos im Katastrophenfall potenziert. Das vollautomatisierte Kernkraftwerk, das sich selbst instand hält und repariert, wird es nie geben. Das hohe Strahlenrisiko erzwingt ein bis ins letzte reguliertes Verhalten des Menschen. Elitemannschaften, so meint Weinberg, sollten deshalb über die genaueste Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften wachen. Aber Jungk bezweifelt mit Recht, daß es gelingen, könnte, einen Menschentyp zu schaffen, der so sicher ist, wie seine gefährlichen Apparate das verlangen: absolut zuverlässig, wachsam, unermüdlich, gefühllos – eben wie Automaten.
Sorgfältige Auswahl ist unerläßlich. Das heißt Kontrolle der Persönlichkeit. Das bedeutet allgegenwärtige Überwachung durch staatliche Organe. Aber das gilt nicht nur für die in der Kerntechnik Tätigen, sondern für alle Bürger, denn die nötige Vorbeugung gegen den Terrorismus, die „schrecklichste atomare Bedrohung“, erzwingt auch deren Überwachung. Nicht nur der terroristische Überfall auf einen Transport, schon das Fehlen von einigen Kilogramm Plutonium und erst recht ein ernsthafter „nuklearer Zwischenfall“ würde für ganze Regionen eine „Mobilmachung der Polizei und Streitkräfte nach sich ziehen, wie sie bisher nur in revolutionären Staaten angeordnet wurde“. So sehen es Planungen in Amerika vor. Die Sicherungsmaßnahmen schlössen unvermeidlich Einschränkungen oder Verletzungen der Rechte zum Schutz des Bürgers und semer Privatsphäre ein, wie auf einer von der amerikanischen Atomenergiebehörde NRC einberufenen Juristentagung an der Stanford-Universität im Oktober 1975 dargelegt wurde. Die Gefährlichkeit der Kernenergie werde zudem, so folgert Jungk, dazu dienen, die „zunehmende Überwachung, der Bürger durch den technokratischen Staat vom Odium der Willkür zu befreien“.
Zwänge gibt es auch bei den Konstrukteuren der Kernkraftwerke. Technische Systeme können nicht auf dem Papier erprobt werden. Der Ingenieur muß schon bei der Planung „Resultate rechtfertigen, die eigentlich noch gar nicht abzusehen sind“, um die Mittel zu bekommen, sein Projekt zu realisieren. Hat er sie, dann steht er unter ständigem Erfolgszwang. Das hat den „verwegenen Forschungsstil“ gefördert, der auf die „nachträgliche Bestätigung seine theoretischen Erwartungen setzt und der nicht dem Zweifel und der Erkenntnis verpflichtet ist, sondern der Spekulation und ihrer Bestätigung“. Dieser Erfolgszwang schließt auch eine freie Information der Öffentlichkeit über kritische Ergebnisse aus, weil sie das Projekt gefährden könnten.
Jungks Buch wird vielen ein großes Ärgernis sein. Aber es ist ein notwendiges Buch, und es wird seinen Zweck erfüllen, „die Auseinandersetzung um eine der bedeutsamsten Zukunftsentscheidungen der Menschheit zu vertiefen“. Es wäre unverantwortlich, die von Jungk beschworenen politischen Risiken der Kernenergie zu unterschätzen – auch wenn man nicht davon überzeugt ist, daß der „Atomstaat“ deren unvermeidliche Konsequenz sein wird. Eine Dauerlösung für die Energienöte der Menschheit sollte die Kernenergie wegen ihrer bleibenden Risiken allerdings nicht sein.
Robert Jungk: „Der Atomstaat“. Kindler Verlag, München 1977, 244 Seiten. 19,80 DM. (Im Antiquariat kostet das Buch zwischen 3 bis 12 Euro; vom Autor signierte Exemplare können mehr als 40 Euro kosten. Eine Neuauflage erschien 1991 im Herne-Verlag.)
–► Robert Jungk: Der Atomstaat Eine Einführung in das Buch von HANS HOLZINGER, [Der Text basiert auf einem Vortrag des Autors am 30.4.2009 an der Universität Paris. Erstellt mit Unterstützung der Elfie-Gmachl-Stiftung Atomfreie Zukunft]
…. Robert Jungk hat den Begriff „Der Atomstaat“ erstmals bei einer Kundgebung gegen das deutsche Atomkraftwerk Brokdorf am 19. 2. 1977 verwendet.
…. Er habe den Begriff „Atomstaat“ nicht am Schreibtisch vorbereitet, sondern dieser sei „wie eine plötzliche Eingebung“ in seinem Kopf während der Rede aufgetaucht, schreibt Jungk in seinen Memoiren (Trotzdem, 1994, S. 463). Dass Rudolf Augstein den Begriff im deutschen Politmagazin „Der Spiegel“ aufgriff, machte diesen bekannt.
Dazu passte, so Jungk weiter, dass nur wenige Tage nach der Demonstration nahe Brokdorf die „Affäre Traube“ bekannt wurde. Dr. Klaus Traube, Wissenschaftler und Manager der Firma Interatom, die für den deutschen „Schnellen Brüter“ in Kalkar verantwortlich zeichnete, war monatelang in Komplizenschaft mit den Behörden aufgrund eines völlig falschen Verdachts abgehört und bespitzelt worden. Klaus Traube, der ja auch in dieser Vorlesungsreihe zu Gast war, wurde zu einem entschiedenen Gegner der Atomenergie.
Das noch im selben Jahr erschienene Buch, das über die Strahlungsrisiken der Atomenergienutzung hinaus, die demokratiepolitischen Gefahren dieser Hochrisikotechnologie thematisierte, bekam dann eben den Titel „Der Atomstaat“. Jungk beschreibt darin in einzelnen Kapiteln unterschiedliche Aspekte und Betroffenengruppen der Atomenergienutzung.
REZENSION in DER STANDARD am 17. März 2011 unter der Überschrift ‘Robert Jungk: "Lebensfeindliche Energie"’
Robert Jungk warnte bereits 1977 in seinem Buch "Der Atomstaat" vor der Gefahr der Atomenergie
"Mit der technischen Nutzbarmachung der Kernspaltung wurde der Sprung in eine ganz neue Dimension der Gewalt gewagt. Zuerst richtete sie sich nur gegen militärische Gegner. Heute gefährdet sie die eigenen Bürger." So schrieb Robert Jungk 1977 in seinem Buch "Der Atomstaat". Seine Warnungen vor dem "lebensfeindlichen Charakter dieser Energie" wurden von Politik, Wirtschaft und auch den Bürgern als Stromkonsumenten mehrheitlich in den Wind geschlagen. In beinahe allen Industriestaaten wurde auf Atomenergie gesetzt – Österreich ist hier eine der wenigen Ausnahmen.
Die Risiken der Atomtechnologie
Es gab und gibt immer wieder Pannen in Reaktoren. Mit dem Verweis auf ständig verbesserte Sicherheitsstandards wurden diese von den Verantwortlichen als ungefährlich abgetan. Und Tschernobyl als große Ausnahme – Serie menschlicher Fehler, veraltete Technik usw. – hingestellt. Die Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im Gefolge des Erdbebens brachte – 25 Jahre nach Tschernobyl – der Weltöffentlichkeit schlagartig die Risiken der Atomtechnologie wieder in Erinnerung. Auch wenn von den Betreibern des Kraftwerks das Ausmaß der Katastrophe zunächst heruntergespielt wurde, sind die Folgen dramatisch.
Besserwisserei nach dem Motto "Wir haben es immer schon gesagt" wäre unangebracht. Selbstverständlich muss unsere Solidarität und unser Mitgefühl nun den von der Katastrophe betroffenen Menschen gelten. So weit Hilfe benötigt wird, sollen wir diese geben. Auch wenn unsere Hilflosigkeit hier jener der „Rettungsteams" vor Ort gleicht. In seinem Buch "Atomstaat" nennt Jungk als die Erstbetroffenen die AKW-Mitarbeiter – er spricht von "Strahlenfutter". Fukushima zeigt was damit gemeint ist.
Österreich ist von AKWs in Erdbebenzonen umgeben
Die Katastrophe soll und kann aber auch zu einem kollektiven Umdenken genutzt werden – denn die Beschwichtiger werden bald wieder zu hören sein. Nur wenn sich viele Bürger und Bürgerinnen gegen die Atomkraftwerke in ihrer unmittelbaren Nähe aussprechen, kann der Umschwung gelingen. So ist Österreich laut Risikoforscher Wolfgang Kromp von mehreren AKWs in Erdbebenzonen umgeben – von Krsko in Slowenien über Pacs in Ungarn bis Dukovany und Mochovce in der Slowakei. Aber auch Temelin in Tschechien oder Isar I in Bayern gelten als nicht ungefährdet. Proteste in allen EU-Staaten, in den USA und darüber hinaus können Wirkung zeigen. Und die Kritik muss sich auch gegen Konzerne richten, die an der Atomwirtschaft verdienen – Fukushima wurde von Siemens mitgebaut!
Problem Atommüll
Zu den Risiken von Reaktorunfällen kommt ein Weiteres. Die Atomwirtschaft hinterlässt eine schwere Hypothek, die ähnlich den Schuldenbergen in unserem Finanzsystem vor uns hergeschoben wird: die derzeit völlig ungelöste Beseitigung des über viele tausende Jahre strahlenden Atommülls. Die Haftungsfrage ist hier völlig ungeklärt.
Atomenergie trägt weltweit nur an die 6 Prozent zum Energieaufkommen bei, auch wenn in einzelnen Staaten die Abhängigkeit groß ist: in Frankreich sind es über 75 Prozent, in Litauen etwa 64 Prozent, Deutschland liegt bei "nur" 25 Prozent und Japan bei 22 Prozent. Ein 100 Prozent-Umstieg auf erneuerbare Energieträger bis 2050 gekoppelt mit einer drastischen Erhöhung der Energieeffizienz ist machbar – den politischen Willen vorausgesetzt! Der WIFO-Klimaexperte Stefan Schleicher sieht für Österreich Energieeinsparpotenziale von 50 Prozent bis 2050! Vorsichtigere Prognosen gehen von einem Totalumstieg zumindest bis Ende des Jahrhunderts aus. Nuklearenergie spielt dabei keine Rolle mehr.
Doch es ist zu erwarten, dass die Verteidiger der Atomlobby bald wieder zu vernehmen sein werden. Wesenskern von Demokratie ist jedoch, dass wir als Bürger und Bürgerinnen gefragt werden, welche Energie wir wollen und wie viel wir bereit sind dafür zu zahlen. Gepaart muss dies freilich sein mit weniger aufwändigen Lebensstilen in einer „Solarsparwirtschaft", die auch aus anderen Nachhaltigkeitsgründen geboten sind. (Hans Holzinger, derStandard.at, 17.3.2011)
Mag. Hans Holzinger ist Pressesprecher der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
FDCL und LN dokumentieren: Das deutsch/brasilianische Bombengeschäft, Berlin (West) 1980
Sondernummer der Lateinamerika Nachrichten in Kooperation mit dem FDCL, Berlin (West) 1980
Liebe Leserinnen und Leser
Viele von Ihnen werden 1975 durch die Presse von dem "Bombengeschäft" zwischen Brasilien und der Bundesrepublik Deutschland erfahren haben: damals wurde ein Vertrag über die Lieferung von Atomkraftwerken des Konzerns Siemens/KWU an Brasilien unterzeichnet.
Nur wenige werden dagegen erfahren haben, daß der Widerstand der Bürgerinitiativen gegen Atomfabriken in Wyhl, Brokdorf, Kalkar, Gorleben und anderswo ein Echo in der lateinamerikanischen Oppositionsbewegung gefunden hat. Die Gruppen, die sich in Lateinamerika gegen den durch die Militärregierungen aufgezwungenen Import von Atomfabriken und Atomwaffen wehren, sehen in der Verbreitung der nuklearen Technologie einerseits die Gefahr der Umweltzerstörung und andererseits eine verschärfte Verarmung und Abhängigkeit der Völker der Dritten Welt. Am 31. März 1979 zogen 140000 über die Katastrophe von Harrisburg entsetzte Bürger mit dem Treck der Bürgerinitiative aus Lüchow-Dannenberg nach Hannover, um ihren Protest gegen die von der Landesregierung geplante Wiederaufbereitungsanlage und Atommülldeponie bei Gorleben auszudrücken. Zu diesem Anlaß erhielt Marianne Fritzen, die Vorsitzende der Bürgerinitiative, ein Grußtelegramm der nord- und südamerikanischen Indianervereinigung und eine Ansichtskarte aus Brasilien mit dem einfachen Text: "Gruß! Wir danken Euch, denn wir brauchen Euren Widerstand."
Gleichzeitig war Bundeskanzler Schmidt zusammen mit Presse- und Gewerkschaftvertretern in Brasilien, um die guten Beziehungen zum neuen Präsidenten General Figueiredo zu pflegen, was sicher auch dem Exportgeschäft des Elektromultis Siemens zugute gekommen ist. Dagegen ist uns nicht bekannt, daß sich Regierungs- oder Gewerkschaftsvertreter bisher mit einer Delegation der brasilianischen Opposition gegen das Atomprogramm getroffen hätten. Wir würden es sehr begrüßen, wenn eine Delegation der brasilianischen Anti-Atombewegung in der Volkshochschule Wyhler Wald und bei den Bürgerinitiativen gegen Zwischenlager für abgebrannte Brennstäbe von ihren Erfahrungen in Brasilien berichten könnte.
Als die Hausfrauen und Bauern in Wyhl begannen, sich unter dem Motto "Kein Kernkraftwerk in Wyhl und auch nicht anderswo!" gegen die weitere Industrialisierung ihrer Region zu wehren, haben sie zu begreifen gelernt, daß das "Bombengeschäft", das sich "Entwicklung" und "Modernisierung" nennt, den Fortschritt in die Unterentwicklung und die ökologische Katastrophe bedeutet.
Aus der Kritik am drohenden Atomstaat, der mit den Atomwaffen und den Atomkraftwerken mitexportiert wird, haben die Bürgerinitiativen Perspektiven einer von gefährlichen Großtechnologien unabhängigen Entwicklung formuliert. Sie bestehen in einem Lebensstil, der nicht auf der Ausbeutung der Reichtümer, der Rohstoffe, Wälder, Kulturen und der Arbeit anderer Völker beruht. Die Forderung der Bürgerinitiativen nach der Förderung angepaßter Technologien und einer alternativen Energieversorgung kann sich daher mit dem Kampf der brasilianischen Ökologiebewegung um Selbstbestimmung ihres Entwicklungsweges verbinden.
Als in Almelo holländische, französische, belgische und deutsche Atomkraftgegner gemeinsam gegen die Urananreicherungsanlage, die auch Uran aus Südafrika für eine Wiederaufbereitungsanlage in Brasilien verarbeiten soll, demonstrierten, trugen einige das Schild: "Siemens verdient und das brasilianische Volk bezahlt…". Wenn die Bürgerinitiativen in den nächsten Monaten ihren gewaltfreien Widerstand auch gegenüber der energieverschwendenden Elektrizitätswirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland durch Stromzahlungsboykott, Sitzstreiks vor öffentlichen Gebäuden u.a. fortsetzen, wird dies hoffentlich auch als Zeichen einer internationalen Solidarität der Ökologie- und Friedensbewegung verstanden.
► BLOGS about ATOMSTAAT ◄
–► Eine Hommage an @CrisisMaven – Der ATOM-STAAT – @dasgelbeforum – verfasst von Leserzuschrift, 21.03.2011.
–►Als "Das China-Syndrom", der Film über ein Fast-Unglück in einem Kernkraftwerk, im März 1979 in die amerikanischen Kinos kam, wurde er von Kritikern und Publikum als perfekter Thriller begrüßt. Nur die Vertreter der Kernindustrie feuerten erwartungsgemäß Breitseiten gegen das angeblich verleumderische, unrealistische Werk. Drei Wochen später passierte das Reaktorunglück in Three Mile Island.
Im Fall des Films "Silkwood", der die US-Kinoöffentlichkeit ähnlich stark bewegt hat wie "Das China-Syndrom", hat nicht das Leben die Kunst imitiert, sondern hinkt der Film mehr schlecht als recht einem wahren Ereignis hinterher: Vor zehn Jahren kam Karen Silkwood, Laborantin in einem Plutonium-Werk, bei einem bis heute ungeklärten Autounfall ums Leben, als sie einem Zeitungsreporter Beweise für mangelnde Sicherheitsvorkehrungen in ihrer Fabrik überbringen wollte (SPIEGEL 9/1975).
…In der Bundesrepublik hatte Robert Jungk in seinem 1977 erschienenen "Atom-Staat" die Karen-Silkwood-Story einem breiten Publikum bekannt gemacht. So engagiert wie Jungk, doch nicht so akkurat wie Buch-Autor Kohn hat Nichols einen Film geschaffen, den auch viele Kitscheffekte nicht um seine politische Brisanz bringen.
Meryl Streep als Karen Silkwood.
Film – Märtyrerin im Atomstaat @ DER SPIEGEL 14/1984
► MODERNES ANTIQUARIAT ◄
Von diesem Buch hat drei Ausgaben gegeben (1977=Kindler, 1979=rororo, 1991= Herne), allesamt sind nur noch antiquarisch zu erhalten.
Robert Jungk: „Der Atomstaat“. Kindler Verlag, München 1977, 244 Seiten. 19,80 DM. (Im Antiquariat kostet das Buch zwischen 3 bis 12 Euro; vom Autor signierte Exemplare können mehr als 40 Euro kosten. Eine Neuauflage erschien 1991 im Herne-Verlag.)
Der Atom- Staat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit (Copyright 1977) {gebraucht} @ ebay on 14th February 2011. 18:35. Three exemplars for 8.01 €.
Produktinformation:
14th March, ab 0.21€
16th March, ab 3.95€
Verlag: München. Kindler. o.J. (1977). Printed in Austria. Auflage: 2.Auflage. (1977). ASIN: B003YT5CY8.
Amazon Bestseller-Rang
14. März:
–18:35: Nr. 2.471.905
–19.11: Nr. 2.472.103
16. März:
–16:40: Nr. 2.478.305
31. März:
–16:40: Nr.2.525.578
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►STATS – GOOGLE SEARCH RESULTS – VIEWS◄
google-search-results for "atom-staat robert jungk": 7320 results on 17 March 2011
17 Mar : 35
21 Mar : 79
23 Mar : 105
30 Mar : 161
04 Apr : 166
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search result for:’Fukushima’ @igosso
Nokia N8: A Review of User Experience
Nokia N8 has been one of the most vulnerable products in the recent market trends. With emerging technology and survival demands, the trends to follow would seem magical to people who started used simple telephones a few decades back. Today, every product is expected to run dynamic and equally meet the purpose and pace of every business requirement. With such objective Nokia’s recent product – Nokia N8 – came up with new features and techniques involved. This high-end model had just begun its rage in the market… Alarms! This much awaited mobile device banged hard on the business world with some great to use features and unconventional loopholes at the same time. Let us take a look at what went good and what ended hopes of demanding customers.
Compactly powered by Symbian^3, this product captured the market niche with its powerful feature of HD video playback. Believe it or not, the HDMI connectivity feature in Nokia N8 is all the more worth for your images, videos and music you have been longing to keep stored. Connected safely with a 12 MP sensor along with Carl Zeiss lenses, Nokia N8 proves to be a great product by its ingredients. With an in-built memory of 16 GB and a weight of approximately 133 grams, this high-end, touch screen product paved its way easily to merge in the world of mobile devices.
Technology has reached to a level with unpredictable solutions. In such a scenario, the most important aspects for any product would be to identify its “worth for money” aspect. Nokia N8 is too expensive for people, especially in the Indian market. Many users did still wanted to have a real life experience with this handset. But, the world leader Nokia could not make much impact with this sophisticated model later on. User experiences counted a lot on its stance in the competition. The touch screen concept has never been the best for Nokia and the same happened with Nokia N8 too. Users experienced the device hanging in the middle of a task and not responding to clicks on the screen. That is where technology pitches in. Many avid users experienced such issues with this model. The screen options did not respond to their touches. Surprisingly, users experienced “Connection failed!” at the middle of surfing. This is enough to designate as a defaulter in the era for today’s user.
Nokia has been performing outstanding resolutions so far and never given up with such solutions. It is time Nokia is looking back on the technological aspect to improvise on the sensitive areas of this model. Soon, users are anticipating a much improved version of the same model soon so that they feel worth for money with their overwhelming experience with Nokia N8.
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Master Electrician’s Review: Based on the National Electrical Code 2008
Technology Reviews – click on the image below for more information.
Technology Reviews
The Master Electrician’s Review has been greatly expanded and updated to reflect the 2008 edition of the National Electrical Code. This study-guide provides journeyman electricians with a clear-cut route to acquiring all of the knowledge and professional expertise they need to become licensed master electricians. Realistic practice exams, plus a math refresher to update readers’ skills in working with fractions, decimals, square roots and powers, are just the beginning. Each easy-to-understand
Master Electrician’s Review: Based on the National Electrical Code 2008
Click on the button for more Technology Reviews information and reviews.
HTC Rhyme (Verizon Wireless)
Technology Reviews
HTC recently acquired a majority stake in Beats Electronics, but they are not Beats by Dr. Dre headphones, nor is there Beats Audio technology incorporated in the phone like there is in the HTC Sensation XE. The Rhyme also comes with tangle-free …
Technology Reviews question by trentdozier: Master of Science Engineering and Technology Management accredidation?
Decipher this is it accredited or not….Engineering graduate programs are not normally subject to accreditation reviews. The MSETM is an OSU program, with cooperation between the College of Engineering, Architecture, and Technology, the College of Business Administration, and the College of Arts and Sciences. Each of these three colleges enjoys accreditation from its own accrediting body. For example, each of CEAT’s undergraduate programs is fully accredited by the Accreditation Board for Engineering and Technology (ABET)
Technology Reviews best answer:
Answer by Bozema
Since the school itself is a legitimate accredited school and each of the programs are accredited by legitimate bodies, I’d consider it fine. It’s a very specialized degree, so you aren’t going to find a body that accredits a program like that, so it will need to fall under the umbrella of the 3 sponsoring programs.


good starting guide,
Master Electrician’s Review: Based on the National Electrical Code 2008: 6th Edition (Master Electrician’s Review). Honestly, having read the book and completed the study guides I would have to say that it was OK mabey a little better than that. Was it worth the price? I’d have to say yes. But not all the info is correct. I’ve taken the Master Electrician Exam for PA and some of the info presented is not relevant at all. There is no metric to English conversion for example… So don’t stress out about memorizing things you don’t need. The presentation of General Lighting Demand Factors was not correct at all. But the book does do a decent job of collecting random, and relevant questions that forces the reader to look at specific areas of the 2008 NEC that they may not have otherwise. The book offers pretty good advice in that the reader should be very familiar with Chapters 1-3, Hazardous Loc., know how to find isolated things in the code and reference them.
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|Not as good as I thought!,
This is good but not as good as it could be. I have other study guides that are much better at delivering the needed lesson.
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|Healing Code,
I have the book and it has everything Dr Loyd Promise,I have a friend who read my book before I read it and he was so happy he read the book. I been using healing code for a while and I can tell you it’s real. The way to know if something is real it’s to use it. For someone to know if Jesus is real it’s to meet Him, without meeting Him you will never know what you missing. God Bless
Marie
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